Das Land hat den Landkreisen und kreisfreien Städten die Schulnetzplanung übertragen, davon ausgehend, dass vor Ort Entscheidungen bürgernäher getroffen werden können. In vielen Kommunen funktioniert das gut, auch wenn die Räte lieber eine Schule mehr offen lassen und das Schulverwaltungsamt im Gegenzug zwangsweise Genehmigungen entzieht.

Da die Kommunen Träger der Schulen sind, hat sich in den letzten Jahren allerorten die Erkenntnis durchgesetzt, dass Investitionsentscheidungen eine Bestandsprognose erfordern. Leider hat Sachsen-Anhalt drastisch unter einem Bevölkerungsrückgang zu leiden, mit der Folge von Schulschließungen, wobei allerdings gegenwärtig der Tiefpunkt bei den Schülerzahlen erreicht zu sein scheint.

In dünnbesiedelten Kreisen ist eine Entscheidung für oder gegen eine Schule mit großen Auswirkungen auf die Schulwege verbunden, während in den Städten die Wege noch überschaubar sind. Trotz allen Ärgers haben die Eltern und Schüler ein Recht, zu erfahren, wie die Prognose für ihre Schule steht, anstatt durch Hängepartien vertröstet zu werden und dann mitten im Schuljahr die Schule wechseln zu müssen. Neue pädagogische Entwicklungen haben ebenso Einfluss auf den Bedarf an bestimmten Schulformen.

Schaut man sich die Planungen in Halle in den letzten Jahren an, so wurden vielfach Entscheidungen verschleppt und teilweise in die Gebäude investiert, die kurz darauf mangels Schüler geschlossen wurden. Eine Verschwendung von Mitteln, an denen es in Halle ansonsten wahrlich fehlt.

Im Moment werden zwei neue Kapitel im Trauerspiel der Entscheidungsarmut des Rathauses geschrieben. Unzweifelhaft wird sich die Zahl der Förderschulen verringern, zum einen aufgrund der Demographie, zum anderen wenn es endlich gelingt durch intensive Förderung den Anteil an Schülern in Spezialschulen zu verringern. Jeder normale Mensch würde jetzt die Einzugsbereiche betrachten und den Zustand der Gebäude analysieren um daraus Bestandsentscheidungen vorzubereiten.

Anders in Halle. Hier soll eine gerissene Lampenaufhängung die Schließung der Schule am Jägerplatz entscheiden, obgleich an anderen Schulen Millionen zur Sanierung benötigt werden und in anderen Stadtteilen zwei Schulen relativ nah beieinander sind. Im März soll es eine neue Vorlage im Stadtrat geben – wir sind gespannt.

Dasselbe Chaos, nur vom anderen Ende, plagt die berufsbildenden Schulen. In der letzten Stadtratssitzung lag zunächst ein Baubeschluss zum berufsbildenden Zentrum Grasnelkenweg vor, mit der Begründung, es wären Konjunkturpaktmittel. Diese Vorlage wurde von der Oberbürgermeisterin zurückgezogen, nachdem Sie erfuhr, dass es keine Konjunkturpaktmittel wären.

Gegenwärtig wird am Hallmarkt an einem kommunalen Bildungszentrum gebaut, ohne zu den beiden berufsbildenden Schulen Gutjahr und Dreyhaupt ein Konzept vorzulegen. Parallel dazu verkündet der zuständige Beigeordnete Herr Kogge, demnächst ein Konzept zu den berufsbildenden Schulen vorzulegen. Es gibt also in unserer Stadt kein Gesamtkonzept zur Entwicklung dieses wichtigen Bereiches der Bildung und gleichzeitig werden Bildungsgänge vereinigt, Gebäude vakant gestellt und Baubeschlüsse eingereicht.

Zufällige Fördermittel des Bundes entscheiden offenbar über die Chancen unserer Jugendlichen in der Ausbildung oder beim nachträglichen Erlangen eines Schulabschlusses. Die Fachleute verzweifeln, weil gute Pläne nicht umgesetzt werden und anderseits besteht die Gefahr, sanierte Gebäude leer stehen zu lassen. Der Verlierer ist immer die Jugend unserer Stadt. Es wird Zeit, dass die Rathausspitze anfängt zu arbeiten, oder müsste sie auch mal die Schulbank drücken?