In seiner Sitzung vom 30.9.09 votierte der Stadtrat für Neustadt als Standort der neuen Ballsporthalle. Grundlage des Beschlusses ist die Untersuchung der Verwaltung über die Standorte Kreuzvorwerk und Neustadt. Gefördert werden soll der hallesche Damen Hand- und Basketball.
Unter sportfachlichen Aspekten kommt die Verwaltung zu dem Ergebnis, dass der Bau an beiden Standorten gleichermaßen zu vertreten ist. Synergieeffekte ist das in Rat und Ausschüssen häufig verwendete Schlagwort. Nach unserer Meinung liegen die Vorteile ganz überwiegend auf Seiten des Kreuzvorwerks: Der Olympiastützpunkt, das Sportinternat, der neue Großverein USV-SV Halle, der auf lange Sicht an das Kreuzvorwerk gebunden bleibt, fallen als Anker-Nutzer der Halle in Neustadt aus. Zudem hätte man zusammen mit der Brandbergehalle die Möglichkeit, große Turniere zu veranstalten. Doch leider wurde wieder die Chance auf einen Sportcampus mit Vorbildcharakter vertan.
Behauptet wird, dass Neustadt bezüglich der Kosten für die Bebaubarkeit deutlich günstiger abschneide. Die Verwaltung sieht das Vorhaben wegen möglicher Klagen von Nachbarn am Kreuzvorwerk erschwert und verkennt, dass auch in Neustadt aus Richtung Gartenstadt Nietleben derartige zu erwarten sind. Für die Regenwasserentsorgung am Kreuzvorwerk werden Alternativen vorgestellt und die teuerste Lösung angesetzt. Durch Zählung der bunten Linien auf dem Netzplan der HAVAG kam man zur Erkenntnis, in Neustadt lege eine bessere ÖPNV-Anbindung vor. Der Fahrplan zeigt jedoch, dass viele Linien nicht an Spieltagen und in den Abendstunden verkehren oder nur mit Rufbussen bedient werden. Gutachten zum Immissionsschutz sind an beiden Standorten nötig, wobei sich die Kosten für Schutzmaßnahmen am Kreuzvorwerk auf € 50 T, und in Neustadt auf € 0 belaufen sollen. Streicht man jedoch den Umbau der Kreuzung am Kreuzvorwerk der nur notwendig wäre wenn die Parkplätze an der Dölauer Straße 65 ignoriert werden, liegen beide Standorte im Ergebnis gleich auf.
Eine Entscheidungshilfe der Verwaltung für den Rat sollte durch Objektivität bestechen. Bei der Ballsporthalle wird man das Gefühl nicht los, die Verwaltung hätte in ihrem Untersuchungsbericht schon im Vorfeld eine Entscheidung gegen den Standort Kreuzvorwerk gefällt.
Der Stadtrat legte zwar seine Präferenz auf die Förderung des Ballsports, sollte aber den Sportstandort Halle insgesamt stärken. Am Ende stand jedoch ein imaginärer Privatinvestor für Neustadt übergroß im Hintergrund.
Nun verfügt Halle bald über eine leider im Sumpfgebiet von Neustadt untergehende Ballsporthalle.