Freundschaften kann man sich bekanntermaßen aussuchen, Verwandte nicht. Aber gerade Freundschaften wollen gepflegt sein, sonst …

Halle gibt sich gerne weltoffen, besonders wenn es händelt oder die aufgewertete Leopoldina ihre Jahrestagungen abhält. Dann weht ein Hauch von großer weiter Welt durch Halle, aber sonst …

Städtepartner- und -freundschaften sollten nach dem 2. Weltkrieg die tiefe Kluft zwischen den Völkern überwinden helfen. So nimmt es nicht wunder, dass ein Großteil der Städtepartnerschaften Halles, bereits zu Vorwendezeiten mit europäischen Städten eingegangen wurden. Oulu, Linz, Grenoble, Coimbra waren die ersten und damit am Längsten existierenden (1972-1976). Und, man höre und staune, auch Karlsruhe als bundesdeutsche Großstadt war bereits 1987 offiziell dabei. Im Vorfeld dieser Städtepartnerschaft waren aber bereits vielfältige Kontakte geknüpft worden, an denen unsere Heidi Eckert nicht unmaßgeblich beteiligt war. Diese deutsch-deutschen Beziehungen waren die ersten Streifen am Horizont einer sich anbahnenden Entwicklung, der wir gerade in diesen Tagen dankbar gedenken.

Nun hat unser Stadtrat im Februar 2009 in seiner unergründlichen Weisheit beschlossen, mit der chinesischen 4-Millionen-Stadt Jiaxing im Weichbild von Shanghai eine Städtepartnerschaft einzugehen. Aber so ganz ohne Widerstände und Diskussionen ging das nicht über die Bühne. Da war zunächst die Olympiade 2008 in Peking mit ihren Unwägbarkeiten, die Tibeter- und Uigurenproteste, die blutig niedergeschlagen wurden, die nach unseren Maßstäben undemokratischen Strukturen, die Verletzung der Menschenrechte, die Todesstrafe u.s.w.  Muss das „kleine“ Halle wirklich die Vermessenheit besitzen, unbedingt mit einer 4-Millionenstadt aus Südchina eine Städtepartnerschaft einzugehen?

„Das Ziel einer Städtepartnerschaft sollte die Begegnung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern der Partnerstädte, unabhängig von ihrem Beruf, dem Alter, sozialen Position usw. sein“. Weiterhin „die Größe, Struktur, das Vereinsleben u. ä. einer Stadt“ steht auf www.halle.de. Zunehmend scheinen aber wirtschaftliche Interessen das Eingehen von Partnerschaften zu bestimmen. Doch funktioniert die Wirtschaft nicht genauso gut ohne eine offizielle Städtepartnerschaft? Und was kostet uns das Ausleben dieser Partnerschaft?

Nun möchte Halle eine neue Verbindung mit Savannah im US-Bundesstaat Georgia eingehen. Diese liebenswerte Stadt mit ihrem sinnlichen Südstaaten-Charme hat bereits seit Jahrhunderten Verbindungen zu Halle. Das sind in den halleschen Franckeschen Stiftungen ausgebildete Pastoren, die den protestantischen Vertriebenen aus dem katholischen Salzburg 1730 bei ihrer Flucht in die damals neu gegründete Kolonie Georgia

halfen und sie begleiteten. Nicht wenige erlangten führende Positionen in der frühen amerikanischen Geschichte.

So bekommt diese angestrebte Partnerschaft durch gelebte Geschichte einen Sinn. Und Halle besitzt nicht nur deswegen, sondern, überreicht vom dortigen Bürgermeister, bereits einen symbolischen Schlüssel zur Stadt Savannah.

Bei dieser Gelegenheit sollte man auch die Aktivitäten zu den bestehenden Partnerschaften auf den Prüfstand stellen und sich fragen, sollte hier nicht zunächst angesetzt und diese Verbindungen noch besser mit Leben erfüllt werden?

Es gibt noch viel zu tun, bis Halle wirklich weltweit offen ist.