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Schulnetzplanung auf Zuruf?

Anfang der 90er Jahre wurden in Halle (Saale) die Schulen saniert. Sie bekamen unter anderem neue Fenster, Sanitäranlagen und Heizkörper. Auch die Wände und Decken wurden gemalert. Das ist nun 20 Jahre her. Seitdem gibt es erheblichen Sanierungsstau an vielen Schulen in Halle. Einige Schulturnhallen sind inzwischen in einem Zustand, dass sie nur noch geschlossen werden können (Turnhalle der Schule Kastanienallee in Halle-Neustadt). Neben den Schulen sind auch viele Horte vom Sanierungsstau betroffen.

Ein besonderes Problem ist der ungenügende Brandschutz an vielen halleschen Schulen und Hortgebäuden. 2005 wurde die Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt novelliert. Deshalb müssen inzwischen auch Bestandsgebäude den Anforderungen an einen zeitgemäßen Brandschutz genügen. Viele Schul- und Hortgebäude verfügen nicht über die Mindestvoraussetzungen zur Einhaltung der aktuellen Brandschutzvorschriften. So fehlen nicht nur zweite Rettungswege oder Brandschutztüren. Selbst Rauchmelder sind in vielen Schulen nicht installiert.

Unterstützt wird die Stadt Halle (Saale) bei ihren dringend notwendigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen durch Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt, des Bundes und der EU. So bekommt die Stadt Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und erhofft sich Gelder vom sachsen-anhaltischen Schul- und Kita-Förderprogramm STARK III. Dafür müssen die Schulen jedoch den sogenannten Demografie-Check bestehen. Das heißt, die zukünftige Auslastung ist auf Jahrzehnte sicher zu stellen. Außerdem müssen zu fördernde Grundschulen mindestens 140 Schüler und weiterführende Schulen mindestens 240 Schüler aufweisen. Da das viele hallesche Grundschulen zurzeit nicht erreichen, werden wohl die Schuleinzugsbereiche neu zugeschnitten. Letztlich wird es auf die Schaffung von langfristig bestandsfähigen Schulen mit höheren Schülerzahlen aus einem größeren Schuleinzugsgebiet hinauslaufen. Hier ist die Verwaltung gefragt, endlich langfristig nach klaren Kriterien eine Schulnetzplanung für Halle vorzulegen und nicht mit willkürlichen Regeln sich von Jahr zu Jahr zu hangeln.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Schüler in Halle ungefähr halbiert. Jedoch mit sehr unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Stadtgebieten. An den Stadträndern gab es viele Wegzüge und damit verbundenen Leerstand, auch in Schulgebäuden. Dagegen sind vor allem in die hallesche Innenstadt viele Familien mit Kindern gezogen.

Nach wie vor fehlt es jedoch in der Innenstadt an genügend Plätzen für Grundschüler. Hier müssen die Grundschulen mit Kapazitätsüberschreitungen kämpfen. Dies ist eine Herausforderung für die Stadtverwaltung, der sie sich stellen muss. Mit der jährlichen Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung wird zwar das Problem erfasst, jedoch nur unzureichend darauf reagiert. Wir fordern eine ehrliche und offene Diskussion mit den Schülern, den Eltern und den Lehrern über zukünftige Standorte und deren Ausstattung.